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Mittwoch, 6. Mai 2015

der zusammenhang von krankheiten, nora und bahnfahren

vor etwa 700 tagen habe ich nora gomringer zum ersten mal getroffen. wie viele tage ich sie damals schon kannte weiß ich nicht. weil das das schöne im literaturstudium ist: man lernt immer und immer neue schreibende kennen. nora war eine, die im gedächtnis blieb. und dieser umstand ist nicht nur der tatsache zu verdanken, dass sie die tochter ihres vaters ist.

zu der zeit, vor etwa 700 tagen, hatte ich gerade für ein literaturfestival gearbeitet. nora gewann einen lyrikpreis, nora wurde überraschungsgast, nora wurde mein persönlicher stargast. wir holten sie vom flughafen ab und nicht eine minute der fahrt blieb wortfrei. allerdings war nora gepäckfrei. zum glück wurde ich im vorfeld mit allerlei büchern versorgt, sodass sie ihre lesung trotzdem abhalten konnte. ich hatte tränen im und ums auge, als sie dort genau den text las, den ich viele hunderte tage vorher als ersten text von ihr las.

Dienstag, 18. März 2014

mehr geräusche, mehr lichter

verdammte scheiße, kann das leben langweilig sein.
cassy ist nun seit genau einer woche bei mir, an mir und ich habe keine ahnung, wann mir zuletzt so langweilig war. es ist nicht so, als gäbe es nichts zu tun. ich würde so wahnsinnig gerne hier staubsaugen, mehr im haushalt machen, müll runterbringen, meine schuhe zum second hand bringen, noch mehr fotos ausdrucken und rahmen, nägel in die wand schlagen, heute abend ins litfass gehen, ... das sind alles dinge, die erstmal warten müssen. als würde man erst im moment des stillstands merken, wie aktiv man eigentlich ist. 

dummerweise muss ich auch auf das flora-soli-konzert von captain planet verzichten, und mein herz blutet in strömen. dafür ist die freude auf's bremen-konzert im september umso größer.

was machen cassy und ich also stattdessen? nachdenken. musik hören. filme gucken. ab und zu mal telefonieren, ab und zu mit mitwohnis abhängen (das sind dann die tageshighlights). und natürlich: alles mögliche fotografieren.




glitzermittelfinger.



das problem beim nägellackieren im alltag ist ja, dass man danach nichts machen sollte, was den frisch aufgetragenen lack ruinieren könnte - alles kein problem, wenn man unmobil ist. ich habe schon darüber nachgedacht, mir die nägel jeden tag neu zu machen. einfach weil ich's kann. habe ich bisher aber nicht gemacht.




cassy und ich hängen auf'm sofa ab.



cassy fotografieren geht eigentlich auch immer. vor ein paar tagen haben cassy und ich uns ziemlich in schale geschmissen. das konfetti liegt übrigens nicht als zufällige, superspontane deko rum. es handelt sich immer noch um geburtstagsüberreste (, die in diesen sekunden auch immer noch da liegen).








jedes mal, wenn ich cassy mal kurz nicht an mir habe, schaue ich mir übrigens gerne an, wie mein fuß so aussieht. da ich heute beim duschen dummerweise weder kamera noch handy dabei hatte, muss diese aufnahme von vorgestern oder so (mein zeitgefühl ist hinüber) vorerst reichen.




kein grund zur sorge. die streifen sind nur strumpfabdrücke.



ansonsten ist nicht viel aufregendes passiert. ich merke, wie ich langsam minimal mobiler werde. kurze strecken von wenigen metern innerhalb der wohnung kann ich teilweise schon ohne krücken hinkriegen. aber gerade beim treppensteigen sind sie nach wie vor eine unverzichtbare hilfe.
oder beim gehen draußen. vorhin musste ich irgendwas wichtiges zur post bringen. für die strecke brauche ich mittlerweile nur noch zehn minuten - normalerweise sind es vier, letzte woche waren es noch fünfzehn. immerhin! 

ein neues abenteuer folgt morgen: mein erster supermarktbesuch nach, um ganz genau zu sein, zwölf tagen (also, morgen wird es zwölf tage her sein, heute demnach elf). alleine trau ich mir den hinweg noch nicht zu, den rückweg, inklusive einkäufe, schon gar nicht - und ich wüsste auch gar nicht, wie ich mit cassy und krücken einen einkaufskorb tragen sollte. deswegen dann morgen mit hilfe. ich freu mich schon so! auf den supermarkt! ich bin schon ganz aufgeregt! was soll ich bloß anziehen??? vielleicht sollte ich mich auch nochmal damit beschäftigen, was ich überhaupt einkaufen will...

heute war aber trotzdem ein guter tag. unser lieber guter ehemaliger ex-zwischenmitwohni hat mich damit beauftragt, seine abschlussarbeit zu korrigieren. da man das gut im halbliegen machen kann und ich es eh liebe, solchen aufgaben nachzukommen, hatte ich heute tatsächlich was zu tun. und immer wieder denke ich dabei, dass die jugend froh sein kann, dass ich niemals den lehrerweg eingeschlagen habe.
ein anderer grund für die gutheit dieses tages ist die tatsache, dass der nette postbote mir heute ein nachträgliches geburtstagsgeschenk zugestellt hat. und weil heute waschtag war, konnte ich auch direkt mal ein schickes foto von der lieferung und mir machen.




der unsichtbare apfel, ein unsichtbares e, sichtbare freude.



wie man sehen kann, handelt es sich bei diesem schmuckstück um ein buch namens 'der unsichtbare apfel' von robert gwisdek, den die meisten vermutlich eher als käptn peng kennen. eigentlich möchte ich solche verlage aus gründen nicht unbedingt unterstützen und kann nur hoffen, dass die bedingungen für die dortigen autoren besser sind als die der volontäre (aber das ist ein ganz anderes thema). momentan bin ich noch auf den letzten seiten eines buches über einen depressiven teenager, geschrieben von einem autor, der sich ende letzten jahres umbrachte. wenn ich damit durch bin, was nicht mehr lange dauern sollte, starte ich die hundert tage ohne geräusche und licht - damit meine ich das buch. was mich angeht erhoffe ich mir für die nächsten wochen mehr geräusche und mehr licht. und das wird wohl auch passieren, denn heute in einer woche werde ich schon meinen ersten arbeitstag nach der krankschreibung hinter mir haben - wie aufregend!

und das ist auch das gute (oder zumindest eine art, in dem ganzen was gutes zu sehen): jede noch so kleine kleinigkeit und jede banalität erscheint plötzlich wie ein riesengroßes abenteuer. ich hoffe, ich verliere diese einstellung nicht, wenn ich wieder hüpfenderweise die welt erkunde.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

eins 2012

huch, es ist ja schon dezember. also starte ich, wie letztes jahr, mal wieder mit einem jahresrückblick. in bildern.





we still believe in miracles.





we have been in university.





we were reading.






we almost were there.





we were almost happy.





we lost time.


Montag, 8. Oktober 2012

Hoffentlich bleibt es bei Fiktion

Achtung, jetzt geht es um Literatur.

Vor einigen Tagen war ich im Buchladen unterwegs. Da bin ich gerne und sehe mich stundenlang um. Ich sah dort ein Buch, das mir ins Auge sprang. Das Cover ist weiß, man sieht darauf nur eine Frisur mit Seitenscheitel und der Titel steht in viereckiger Form etwa da, wo bei Männern der Oberlippenbart ist. Und das Buch heißt: Er ist wieder da, geschrieben von Timur Vermes. Ich las, was auf dem Buchrücken steht: Es ginge um Hitler, ja, den bösen Hitler, und wie dieser im Jahr 2011 wieder lebt und in unserer modernen Welt klarkommt. Ich fand den Inhalt interessant, auch, wenn es nicht unbedingt was Neues ist, Hitler in Fiktion einzubauen. Und dann sah ich den Preis: Das Buch soll 19,33 Euro kosten. Ich musste im Laden laut auflachen - dieses Groteske hat mich dann auch dazu gebracht, das Buch zu kaufen und kurz danach fing ich an, es zu lesen. Von den fast 400 Seiten habe ich bisher fast 300 gelesen, weswegen ich die komplette Handlung noch nicht kenne.

Wie ich bereits erwähnte, geht es in Er ist wieder da um Hitler, der im August 2011 in Berlin plötzlich wieder aufwacht. Das Buch ist aus Hitlers Perspektive erzählt. Zunächst ist er ziemlich verwirrt, weil er Berlin zwar erkennt, aber ihm irgendwie doch fremd ist. Von den Menschen wird er jedoch erst nicht erkannt. Er lernt dann einen kennen, der ihn für einen Comedian hält und ihn schließlich an eine Produktionsfirma weiterleitet. Diese wiederum bringen ihn groß raus, indem er Teil einer Comedyshow wird. Zunächst als Nazi verschrien, wird sein Gerede schließlich als Kunst gelobt und er gewinnt sogar den Grimme-Preis. Weiter habe ich noch nicht gelesen.

Es ist faszinierend, was für einen Blick der Erzähler, also Hitler, auf unsere heutige Zeit hat. Ähnlich naiv wie Hans Paasche beschreibt er hier Dinge, die für uns ganz normal sind, er aber nicht kennen kann - schließlich hat er mehr als 60 Jahre Entwicklung und Geschichte verpasst.

Besonders wegen des distanzierten Blicks auf die Welt wird hier ziemlich viel Kritik deutlich. Hitler bleibt bei allem, was er sagt und meint alles sehr ernst. Dadurch werden seine Überzeugungen deutlich, was, ganz ehrlich gesagt, nichts für schwache Nerven ist, teilweise. Doch der Fokus liegt hier eindeutig in der Kritik an unserer Gesellschaft, die deutlich wird. Allein schon, dass die Menschen ihnen am Anfang des Romans nicht erkennen, zeigt auf, wie ungebildet viele Teile der Gesellschaft sind. Was er dann alles so von sich gibt, also Fakten seiner politischen und persönlichen Vergangenheit, nimmt tatsächlich niemand ernst. Stattdessen wird gelacht. Ein Hinweis darauf, dass unsere Gesellschaft so sehr abgestumpft ist und nichts mehr ernstnehmen kann? Gut möglich. Natürlich kommen, als er seine ersten Shows im Fernsehen hinlegt, auch kritische Stimmen auf - in der Bild-Zeitung. Auch diese und deren Macharten werden hier extrem negativ dargestellt und auf die Schippe genommen. Irgendwie schafft das Hitler-Ich es dann doch, die Bild auszuspielen und steht als Guter da. Aus Sicht vieler Menschen, mir inklusive, ist es durchaus ein sympathischer Schachzug, gegen diese 'Zeitung' zu arbeiten. Daraufhin steigt der Erfolg des vermeintlichen Comedians ins Extreme - was er sagt, wird zu Kulturgut und die Produzenten, selbst Opfer der Medienbranche, wollen nur eins: Mehr Erfolg, mehr Quoten, mehr Kontroversen, mehr Aufmerksamkeit, mehr Ruhm, mehr Geld. Dass das von Hitler Gesagte als Bedrohung gelten könnte, steht noch nicht mal zur Debatte. Dass er, aufgrund seines Comedien-Daseins, vollkommene künstlerische Freiheit genießt, zeigt zwar, dass wir bezüglich Zensur und so zwar um einiges weiter sind als damals unter Hitlers Herrschaft - und auch, dass wir nicht einsehen, wie auch Medien die Menschen beeinflussen können. Immer wieder besteht Hitler darauf, dass er wirklich Hitler ist - und niemand glaubt ihm, alle denken, er spiele seine Rolle extrem gut, und als würde er das ganze Konzept durchziehen, denken, er würde seinen wahren Namen nicht sagen, weil er seine Privatsphäre schützen wolle - und schließlich könnte es ja auch gar nicht sein, selbst wenn man ihm glauben würde. Trotzdem kann jemand, auch heutzutage, aus dem Nichts kommen, ein Niemand sein, die Massen erreichen, mit dem schwachsinnigen Gerede tausende Anhänger finden und sogar als kulturelles Gut gelten. Das wirft wiederum die Frage auf: Was haben wir in den letzten 60 Jahren gelernt? Wie wenig das ist und wie verkorkst unsere Gesellschaft eigentlich ist, zeigt Vermes mit dem Buch extrem gut, drastisch, schockierend, extrem halt - und witzig. Er lässt Hitler dabei durchaus als eine sympathische Figur gelten - zumindest teilweise. Und ich muss immer wieder lachen - sehr laut. Trotzdem: Hoffen wir mal, dass es hier bei Fiktion bleibt.




Hier das oben beschriebene Cover; Quelle: Hier.